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Ernst Lauer, alter und neuer Leiter der Kripo

Als Polizeipräsident Karl Weber seinen ehemaligen Vorgesetzten Ernst Lauer im Juli 1945 mit Zustimmung der Amerikaner bat, die Kriminalpolizei neu aufzubauen, schien dies zunächst eine richtige Entscheidung zu sein. Lauer war einer der erfahrensten Kriminalisten und hatte die Kriminalpolizei bereits von 1923 bis 1940 geleitet. Sein Dienst für den NS-Staat wurde dadurch relativiert, dass er selbst als Leiter der Kriminalpolizei nicht der NSDAP beigetreten war, vom Prüfungsausschuss zur Durchsetzung des „Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ 1933 beanstandet und 1940 schließlich vom Chef der Sicherheitspolizei und des SD entlassen worden war.

Die Spruchkammer allerdings stufte Lauer im Oktober 1946 als Belasteten ein. Sie warf ihm vor, als Vorstand der Politischen Polizei zwischen 1929 und 1933 die NSDAP geschont und so ihren Aufstieg mit ermöglicht zu haben. Darüber hinaus stellte sie sicherlich zu Recht fest, dass Lauer als Leiter der Kriminalpolizei trotz zugestandener innerer Distanz zum Nationalsozialismus von den Verbrechen gewusst und, soweit sie von der Kriminalpolizei ausgegangen waren, diese auch mit verantwortet und organisiert hatte. 

Lauer wurde im Oktober 1946 entlassen. In Berufungsverfahren erreichte Lauer seine Herabstufung zum Minderbelasteten und im April 1948 sogar die Einstellung des Verfahrens. Damit galt er als vom Entnazifizierungsgesetz nicht betroffen. Eine Aufhebung seiner Entlassung konnte er aber nicht mehr erreichen.

Sein Nachfolger wurde der 1892 geborene Friedrich Stutz, der wie Lauer auf einen jahrzehntelangen Dienst bei der Stuttgarter Polizei zurück blickte. Ab 1939 war das NSDAP-Mitglied (Eintritt 1937) Vorstand des städtischen Polizeiamts und somit zuständig für den Feldschutz sowie für die Gesundheits- und Baupolizei gewesen. Doch auch Stutz blieb kaum ein Jahr im Amt. Im November 1947 wurde er erst suspendiert und später zur Verwaltungspolizei versetzt, nachdem die Stuttgarter Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren wegen Begünstigung im Amt gegen ihn eröffnet hatte.

Auf Stutz folgte Theodor Kneer, der sich aber auch nur drei Jahre an der Spitze der Kriminalpolizei halten konnte. Dabei schien Kneer zunächst prädestiniert, war er doch von den Nationalsozialisten aufgrund des „Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums" aus dem Polizeidienst entlassen worden. Er hätte als Aushängeschild einer neuen demokratischen Polizei dienen können, wenn er nicht Fundsachen und Asservate unterschlagen hätte, um mit dem Erlös Renovierungen von Diensträumen der Kripo zu bezahlen. Anfang 1951 wurde er suspendiert und Ende 1952 in den Ruhestand versetzt. Während dieser Zeit wurde er von Karl Dobritz vertreten.

Anmerkung: Die Leitung der Kriminalpolizei saß bis März 1949 in der Christophstraße 11. Ernst Lauer wird als wichtige Person der Polizei dennoch hier vorgestellt und in dem Büro verortet, in dem seine Nachfolger saßen.

Ernst Lauer, undatiert

Kurzbiografie Ernst Lauer

  • geboren am 18. September 1879 in Stuttgart
  • Abitur, Jurastudium
  • 1906 Assessorexamen
  • 1906 bis 1910 Rechtsanwalt beim Landgericht Heilbronn
  • bis 1912 Hilfsstaatsanwalt in Stuttgart
  • bis 1914 Amtsrichter in Stuttgart
  • 1915 Berufung in die Württembergische Landespolizeizentrale als stellvertretender Vorstand, Aufbau der Kriminalpolizei
  • 1923 im Zuge der Verstaatlichung der Polizei Ernennung zum Leiter der Kriminalabteilung im Polizeipräsidium Stuttgart
  • 1929 zusätzlich Ernennung zum Vorstand der Politischen Polizei (Leiter des Geschäftskreises der Politischen Polizei wurde Karl Zindel)
  • 1936 nach der Verreichlichung der Polizei Leiter der Kriminalpolizeileitstelle Stuttgart
  • 1940 Versetzung ins Innen- und später ins Wirtschaftsministerium
  • von Juni 1945 bis Oktober 1946 Leiter der Stuttgarter Kriminalpolizei

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