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Ludwig Thumm, zuständig für „Schutzhaft“

Ludwig Thumms Zuständigkeit umfasste die zentralen Repressionsinstrumente der Gestapo. Die Beantragung von so genannter Schutzhaft, also der Inhaftierung ohne richterliche Anordnung oder Einspruchsmöglichkeit, war alleiniges Recht der Politischen Polizei bzw. der Gestapo.

Thumm und seine Mitarbeiter des Sachgebiets II D (später umbenannt in IV 6a) beantragten beim württembergischen Innenministerium, ab Februar 1938 beim Geheimen Staatspolizeiamt in Berlin, die Inhaftierung von Personen und setzten nach dem dortigen Entscheid die Verhaftung und Einweisung in Lager um. Sie achteten auch darauf, dass die württembergischen Strafanstalten ihnen Mitteilung machten, wenn Männer oder Frauen eine von einem Gericht verhängte Strafe verbüßt hatten. Sie behielten sich vor, den oder diejenige nach der Entlassung aus dem Gefängnis sofort wieder zu verhaften und in ein Konzentrationslager einzuweisen.

Thumm war darüber hinaus auch zuständig für die so genannten Arbeitserziehungslager in Rudersberg und Aistaig und das Schutzhaftlager Welzheim. Dort beaufsichtigte er u.a. die Hinrichtungen von Häftlingen.

Beim Spruchkammerverfahren gegen Thumm berichteten zahlreiche Zeugen, vor allem ehemalige Häftlinge des Lagers Welzheim, von Demütigungen, Misshandlungen und Grausamkeiten, die sie durch Thumm hatten erleiden müssen. Thumm starb 1950, bevor die Spruchkammer ein Urteil fällte.

Ludwig Thumm, 1938

Kurzbiografie Ludwig Thumm

  • geboren am 11. Mai 1893 in Stuttgart
  • Volksschule
  • Bürogehilfe
  • 1911 Militärdienst und bis zum Ende des Ersten Weltkriegs Soldat
  • 1920 Eintritt in die Polizeidirektion Stuttgart als Kriminalanwärter
  • 1923 erster Kontakt zur NSDAP
  • Beitritt zur NS-Beamtenabteilung (NSBA)
  • am 1. März 1933 Versetzung zur Politischen Polizei in Stuttgart als Kriminalkommissar, dort anfangs Arbeit unter Friedrich Mußgay in der Dienststelle 5, Nachrichtenwesen
  • 1940 Leiter des Sachgebiets „Schutzhaft“
  • 1945 Verhaftung durch die französische Armee und Internierung in Speyer
  • 1946 Freilassung
  • 1949 Überstellung in die amerikanische Besatzungszone und Anklage vor der Spruchkammer
  • gestorben am 15. Dezember 1950 in Stuttgart
  • Beitritt zur NSDAP im April 1932
  • Beitritt zur SS 1940

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